Grandes Jorasses Nordwand "Croz"


Es regnet in Strömen und der Weg in die Leschauxhütte ist noch weit. Meine Gedanken sind so negativ wie der letzte Monat. Praktisch immer schlechtes Wetter und dazu noch angerissene Bänder, das macht einem nicht gerade Freude. An ein Gelingen von unserer Tour habe ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht gedacht. Völlig durchnässt erreichen wir die Hütte. Das Gewitter hat sich verzogen und die ersten Sonnenstrahlen beginnen unsere nassen Sachen zu trocknen. Endlich lichtet sich auch der Nebel vor der Jorasses und wir können in die markante Nordwand sehen. Eines wird sofort klar, der Walkerpfeiler hat zu viel Schnee. Wir müssen unseren Plan ändern und entschliessen uns für die Route "Croz".

Um Mitternacht klingelt der Wecker, wir stehen auf, essen eine Kleinigkeit und beginnen mit dem zwei Stündigen Zustieg über den stark zerschrundenen Gletscher. Der Einstieg finden wir im dunklen schnell und beginnen mit dem Aufstieg. Die Verhältnisse entpuppen sich als nicht so schlecht und wir kommen zügig voran. Es ist ein stetiges abwechseln von Fels, Eis und Schnee. Bis zum Ausstieg bleibt es immer spannend und ohne nennenswerte Schwierigkeiten.

Um ca. 16.00 Uhr stehen wir auf dem Gipfel und geben uns einen Handschlag. Da ich den Abstieg bereits kenne, weiss ich genau was uns erwartet. Mühsames Abseilen in super "Seilverhänkergelände", durchnässter Schnee, in welchem man zwischen Knie- und Hüfttief versinkt und dazu noch ein zerschrundener Gletscher. Kurz über der Boccalatte-Hütte fängt es zu regnen an. Wir entscheiden uns in der Hütte Unterschlupf zu suchen und erst am nächsten Morgen weiter abzusteigen.

07.08.2014